Zielgruppen und Themenfelder musikalischer Fort- und Weiterbildung

Ob ausübend, vermittelnd oder Musik nutzend: Für die verschiedensten musikalischen Arbeitsfelder gibt es Fort- und Weiterbildungsangebote. Welche Zielgruppen damit im Einzelnen angesprochen werden und welche Themen dabei jeweils im Vordergrund stehen, lesen Sie hier.

Von Antje Valentin, René Schuh, Kerstin Hädrich

Multiplikator*innen – Musiker*innen

In der musikalischen Fort- und Weiterbildung wird zwischen Angeboten für Multiplikator*innen und solchen für ausübende Musiker*innen unterschieden. Unter Multiplikator*innen werden diejenigen verstanden, die in ihren Arbeitsfeldern Musik vermitteln bzw. einsetzen. Zu ihnen zählen Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen, Pädagog*innen in Schule und Musikschule, Mitarbeiter*innen in der Altenarbeit, Musikgeragog*innen, Kirchenmusiker*innen, Musiktherapeut*innen, Chor- und Orchesterleiter*innen und ähnliche Berufsgruppen. Für sie stellt die Vermittlungsarbeit einen eigenen Fort- und Weiterbildungsgegenstand dar. Bei den ausübenden Musiker*innen steht hingegen die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten auf dem Instrument oder mit der Stimme im Vordergrund.

Frühpädagogik

Für Erzieher*innen, Tagespflegepersonen und Frühpädagogen*innen gibt es bundesweit Fort- und Weiterbildungsformate, die dem Mangel an musikalischer Ausbildung in diesen Berufsfeldern begegnen. In Tagesangeboten oder auch Lehrgängen mit mehreren aufeinander folgenden Phasen werden bei Fort- und Weiterbildungen in diesem Bereich Anregungen zum Singen, elementaren Musizieren und Tanzen und ähnliches angeboten. Oftmals wird hier wiederum unterschieden zwischen der Arbeit mit Kleinkindern bis drei Jahren, älteren Kita-Kindern zwischen drei und sechs Jahren sowie Grundschulkindern. Zu den Beispielen für großangelegte Fort- und Weiterbildungen in diesem Bereich zählen das durch die baden-württembergischen Musikschulen initiierte Programm „Singen-Bewegen-Sprechen“ und das landesweite Programm der öffentlichen Musikschulen in Niedersachen „Wir machen die Musik“, das sich an drei- bis zehnjährige Kinder richtet und durch zahlreiche Fort- und Weiterbildungen für Erzieher*innen und Grundschullehrkräfte begleitet wird. Das „Netzwerk Musik im Kita-Alltag NRW“ ist ein landesweites Netzwerk von Landesmusikrat NRW, Landesmusikakademie NRW, Bertelsmann Stiftung und Peter Gläsel Stiftung, in dessen Rahmen auch zahlreiche Fort- und Weiterbildungen für Erzieher*innen stattfinden.

Allgemein bildende Schule

Praktisches Musizieren bekommt im Musikunterricht tendenziell wieder mehr Bedeutung. Fachfremde Lehrkräfte können in Fortbildungen grundlegende musikpädagogische und musikalische Kenntnisse erlangen. (Foto: Nico Pudimat/Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen)

Der Berufsalltag von Pädagog*innen ist heute durch heterogener werdende Schülergruppen und neue digitale Techniken geprägt. Zudem wandelt sich die Form des Musikunterrichts, die Kompetenzorientierung in den Curricula gibt dem praktischen Musizieren im Unterricht tendenziell wieder mehr Bedeutung. Die Lehrkräfte stehen ebenfalls in der Verantwortung, bildungspolitische Konzepte wie das der Inklusion umzusetzen. Ihre Kompetenzen in beiden Bereichen können Musikpädagog*innen in Fort- und Weiterbildungen zu den Themen Klassenmusizieren, Bandarbeit, Musizieren mit digitalen Medien und inklusiver Musikunterricht erweitern.

Im Bereich der schulischen Musikpädagogik fehlen viele Fachkräfte, sodass das Fach Musik häufig durch fachfremd unterrichtende Lehrkräfte, sogenannte Neigungslehrkräfte, unterrichtet wird. Zu vermitteln sind hier neben musikdidaktischer Fachkompetenz auch grundlegende musikpädagogische und musikalische Fähigkeiten und Kenntnisse. Anbieter von Lehrerfortbildungen im Bereich Musik sind Landesinstitute für Lehrerfortbildung und Qualitätssicherung, die Bundes- und Landesmusikakademien, Fachverbände wie der Bundesverband Musikunterricht wie auch die Musikwirtschaft und private Einrichtungen.

Außerschulische Musikpädagogik

Die Zielgruppe dieser Fort- und Weiterbildungen sind Musikpädagog*innen an den öffentlichen und privaten Musikschulen wie auch selbstständig tätige Pädagog*innen. Musikschulen wirken immer stärker in ihren jeweiligen Sozialraum hinein. Sie kooperieren mit den allgemein bildenden Schulen in ihrem Umfeld, arbeiten mit Kindertagesstätten zusammen, berücksichtigen die stärker gewordene Nachfrage gerade auch älterer Erwachsener, bieten Unterricht auf Instrumenten anderer Kulturen an, gründen Ensembles unterschiedlichster Genres und streben danach, inklusiv zu arbeiten. Diese Entwicklungen bedingen zusätzliche Kompetenzen der dort beschäftigten Musikpädagog*innen, die durch entsprechende Fort- und Weiterbildungen vermittelt werden.

Fort- und Weiterbildungen für Instrumental- und Vokalpädagogen*innen an Musikschulen oder im freien Beruf thematisieren häufig den Umgang mit Gruppenunterrichtssituationen, vermitteln Fähigkeiten in Elementarer Musikpädagogik, geben Hinweise für die Leitung von Ensembles oder vertiefen instrumentales Können und die entsprechende Didaktik in Bezug auf bestimmte Musikrichtungen. Fort- und Weiterbildungsangebote im Bereich des Unterrichts, der Projektdurchführung und Ensemblegründung mit Älteren beschäftigen sich mit dem Erlernen eines Instruments im Alter, der Chorleitung und Stimmbildung bis in die Hochaltrigkeit und den damit verbundenen Herausforderungen. Die Musik aus afrikanischen, arabischen oder türkischen Kulturräumen findet aufgrund der Migrationsbewegungen ebenfalls ihren Weg in den Instrumental- und Vokalunterricht, sodass zunehmend Interesse entsteht, über die westliche Musiklehre hinaus auch andere Musiksysteme in Fort- und Weiterbildungen kennenzulernen.

Das Fort- und Weiterbildungsangebot in der außerschulischen Musikpädagogik wird neben den Bundes- und Landesmusikakademien von verschiedenen Fachverbänden getragen. Hierzu zählen insbesondere der Verband deutscher Musikschulen (VdM) und der Bundesverband der freien Musikschulen (bdfm) wie auch deren Landesverbände sowie der Deutsche Tonkünstlerverband (DTKV). Weitere Anbieter aus der Musikwirtschaft halten ein zielgruppenspezifisches Angebot für ihr Mitgliederspektrum bereit.

Amateurmusik

Die Bundes-, Landes- und Verbandsakademien sorgen gemeinsam mit den Musikverbänden für die gesamte Fort- und Weiterbildung in diesem breiten Feld. In vielen Akademien ist die Förderung des Amateurmusizierens Teil der Aufgabenstellung. Diese basiert auf dem „Ausbildungssystem im Amateurmusizieren“, das ab den 1980er Jahren von den großen Bundesverbänden im Amateurmusizieren mit der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen entwickelt wurde. Das D-, C-, B-System dient der bundeseinheitlichen Qualitätssicherung der Ausbildung im Amateurmusizieren und begleitet die Amateure von der Vermittlung musikalischer Grundkompetenzen über Stimmführertätigkeit bis hin zu einer eigenen Multiplikatoren-Tätigkeit als Orchesterleiter*in, Chorleiter*in oder Ausbilder*in im Musikverein/Chor. Die höchste Qualifikation, die ein*e Amateur*in hierbei erwerben kann, ist die B-Prüfung als Dirigent*in in der jeweiligen Sparte im Amateurmusizieren. 1 Durch diese Systematik werden vertiefte, über den Musikunterricht an allgemein bildenden Schulen hinausgehende Grundlagen und Fertigkeiten auch im Hinblick auf ein mögliches Musikstudium vermittelt. Insbesondere bei den an den Musikakademien verorteten Lehrgängen geht es über den rein fachlichen Input hinaus idealerweise auch um aktuelle und bildungspolitisch relevante Themen. Derzeit werden Teile der Systematik in den einzelnen Verbänden Blasmusik- und Harmonikawesen aktualisiert. 2

Um das ehrenamtliche Engagement auf dem Feld der Amateurmusik zu unterstützen, haben sich auf Bundesebene in den letzten Jahren neben dem fachlichen Bereich zwei Modelle für ehrenamtlich Tätige etabliert. Das erste Modell richtet sich an Ehrenamtliche aus Musikvereinen und Chören. Zielgruppe des zweiten Modells sind die im Verbandswesen auf Kreis-, Landes- und Bundesebene Engagierten. Das Thema Nachwuchs im Ehrenamt bildet den thematischen Mittelpunkt beider Formate.

Musik in religiösen Zusammenhängen

Eine weitere wichtige Zielgruppe sind Musiker*innen, die im Bereich der Religionsausübung professionell oder ehrenamtlich tätig werden. Im Judentum etwa spielt der Gesang in der Synagoge eine tragende Rolle, im Alevitentum die Bağlama (türkische Langhalslaute) als Begleitinstrument im Gottesdienst und im Islam verschiedene Gesänge oder Koranrezitationen. Musiker*innen an den christlichen Kirchen erwerben ihre Kompetenzen meist über ein Kirchenmusikstudium; im Ehrenamts- oder nebenberuflichen Bereich sind aber auch etliche D- und C-Kirchenmusiker*innen tätig, die in einem kircheneigenen System ausgebildet werden. Hier erwerben Kirchenmusiker*innen oft auch zusätzliche Kompetenzen, teilweise machen aber auch Akademien entsprechende Angebote. Zum Beispiel bieten die Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen und die Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel zusammen mit den Kirchenmusikverbänden eine Weiterbildung „Musikvermittlung im kirchlichen Bereich“ an.

Künstlerischer Nachwuchs

Junge Musiker*innen, die auf die Konzertbühne streben, besuchen Meisterkurse bei herausragenden und meist bühnenerfahrenen Solisten, um den letzten Schliff für ihr professionelles Wirken zu erhalten. Dadurch erhalten sie außerdem einen Einblick in ihr zukünftiges Berufsfeld und können Netzwerke aufbauen. Anbieter von Meisterkursen sind Musikakademien, Musikschulen und zunehmend auch Musikhochschulen, die damit ihren Lehrkörper präsentieren und neue Studierende gewinnen möchten. Daneben haben sich einige private Veranstalter in diesem Bereich etabliert.

Musikvermittlung

Musikvermittler*innen oder auch Konzertpädagog*innen bereichern seit knapp 20 Jahren zunehmend das bundesdeutsche Konzertwesen. Inzwischen werden nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch andere Altersgruppen mit vermittelnden Angeboten rund um Konzerte oder auch Musiktheater angesprochen, die für Musik begeistern, zum Musizieren anregen und die Ohren für neue Klänge öffnen sollen. Die in diesem Feld Tätigen, häufig Musiker*innen oder Musikpädagog*innen, bilden sich in verschiedenen Formaten wie berufsbegleitenden Masterstudiengängen, Lehrgängen oder Kongressen weiter. Die zahlreichen Angebote und Studiengänge wie auch Akteure in diesem Feld werden durch das „netzwerk junge ohren“ im gesamten deutschsprachigen Raum miteinander vernetzt.

Selbstmanagement und -vermarktung

Für selbstständige Musiker*innen spielen Aspekte des Managements und der Selbstvermarktung eine wichtige Rolle. Wie biete ich mein Portfolio an? Wie nutze ich Netzwerke? Wo erhalte ich Projektförderungen? Diese und ähnliche Fragen werden in Fort- und Weiterbildungen beantwortet, die von den Bundes- und Landesmusikakademien, den Fachverbänden wie dem Deutschen Tonkünstlerverband, der Deutschen Orchestervereinigung bzw. ihrer Orchesterakademie, privaten Veranstaltern und Verbänden angeboten werden.

Musikproduktion

Im Bereich der Komposition und Produktion von Musik existieren Fort- und Weiterbildungen, die vom Recording über Beschallung und CD-Produktion bis zur Notationssoftware und der digitalen Komposition mit Hilfe von Samples beispielsweise für Filme und Computerspiele reichen. Anbieter sind Bundes- und Landesmusikakademien, Volkshochschulen, Musikschulen und auch private Institute, die sich gerade in den neuen Entwicklungen im Spannungsfeld zwischen Musik und Medien einen Namen machen.

  • 1 Nicht zu verwechseln sind die Abschlüsse mit denen der D- oder C-Kirchenmusiker-Ausbildung oder dem B-/A- Kirchenmusikstudium.
  • 2 Für die Blasmusik ist bereits erschienen: Die D-Reihe und die Einstiegsstufe in der Deutschen Bläserjugend. Bundesweite Rahmenrichtlinie und inklusive Umsetzung, Trossingen 2016.

Stand des Beitrags: 14. März 2018